Energie in der Mechanik - Kinetische, potentielle und Wärmeenergie

Energie ist die zentrale Größe mechanischer Prozesse. Sie ermöglicht Bewegung, Beschleunigung und das Überwinden von Kräften. Der Artikel zeigt die Unterschiede von potentieller und kinetischer Energie und erläutert die Berechnung mechanischer Leistung für verschiedene Anwendungsfälle. Ein besonderer Fokus liegt auf der Energieumwandlung sowie auf typischen Verlustmechanismen durch Reibung, Dämpfung und Verformung. Ergänzend wird dargestellt, wie Energiedichte und Leistungsdichte die Effizienz technischer Systeme beeinflussen.

Energie in der Mechanik

Energie als eine physikalische Größe bezeichnet die Fähigkeit, Arbeit zu leisten, Wärme abzugeben oder Licht auszustrahlen. Dabei ist Energie an sich weder greifbar noch sichtbar. Wirklich erkennbar wird Energie erst an ihrer Wirkung. So kann man bei einer rollenden Kugel zwar die Bewegung sehen, die in der Kugel gespeicherte Lage und Bewegungsenergie sieht man aber nicht. Die gespeicherte Energie kann in unterchiedlichster Form vortliegen. Elektrische Energie, kinetische Energie, potenetielle Energie und thermische Energie sind nur einige davon.

Mechanische Energie unterteilt sich in Höhen bzw. Lageenergie (potentielle Energie) und Bewegungsenergie (kinetische Energie). Jegliche Änderung des Zustandes, der Lage oder der Bewegung eines Körpers bedeutet auch eine Änderung der im Körper gespeicherten Energie (E). In einem geschlossenen Systems kann keine Energie einfach verschwinden. Dem System kann aber Energie von außen zugeführt oder entnommen werden. Wird dem geschlossenen System von außen Energie zugeführt oder entnommen, wird die Veränderung der Energiemenge als Arbeit (W) bezeichnet.

W = E_{vorher}-E_{nachher}

In allen Teilgebieten der Physik dient Energie als Grundlage von Bewegungen. Dabei wird davon ausgegangen, dass Energie nie verloren geht. Sie kann aber ihre Form wechseln, so z.B. kann aus kinetischer Energie Wärme werden.

Hier greift auch die goldene Regel der Mechanik: "Was man an Kraft spart, muss man an Weg zusetzen." Dies beschreibt die Energieumwandlung beim Einsatz von Maschinen, wonach die Gesamtenergie erhalten bleibt. Solche Umwandlungen sind zentral für mechanische Anwendungen wie Hebel, Flaschenzüge oder schiefe Ebenen. Der Energieerhaltungssatz gilt in einem geschlossenen System ohne zusätzlichen Austausch von Energie und ohne Berücksichtigung von Reibung.

Ausgedrückt wird das im Energieerhaltungsatz mit folgender Formel:

E_{ges} = E_{pot} + E_{kin} = konstant

Doch was ist kinetische und potentielle Energie?

Potentielle Energie, auch Lageenergie genannt, bezeichnet die Energie, die ein Körper aufgrund seiner Lage in einem Kraftfeld bzw. seiner Konfiguration innehat.

Die potentielle Energie errechnet sich über folgende Formel:

E _{pot} = m \times g \times h

• m = Masse
• g = Erdbeschleunigung von 9.81m/s²
• h = Höhenunterschied vom Basisbezugspunkt

Kinetische Energie ist eine Energieform, die ausschließlich bei bewegten Objekten vorliegt. Sie wird daher auch Bewegungsenergie genannt. Kinetische Energie ist ebenfalls abhängig von der Masse des in Bewegung befindlichen Körpers, aber auch von dessen Geschwindigkeit v. Die Energie ist dabei gleich der Arbeit, die zum Aufbringen der Bewegung aus dem Ruhezustand notwendig ist.

Die kinetische Energie errechnet sich über folgende Formel:

E _{kin} = \frac{1}{2} \times m \times v^{2}

Das Zusammenspiel der Energieformen lässt sich gut am Beispiel einer Federpresse verdeutlichen. Beim Spannen der Feder wird mechanische Arbeit verrichtet, welche dann als potentielle Energie (in diesem Fall Spannenergie) in der Feder gespeichert wird. Wird die Feder nun ausgelöst, wandelt sich die potentielle Spannenergie in kinetische Energie um. Weitere Praxisfälle finden Sie in unserem Beitrag Treffen Sie Ihre Wahl zwischen Federn und Gasfedern ergänzen und verlinken

Eine weitere Energieform ist die thermische Energie. Sie resultiert meist aus Reibung oder inneren Bewegungen der Teilchen eines Stoffes, sie beschreibt also die kinetische Energie dieser Stoffteilchen. Je höher die kinetische Energie eines Teilchens ist, desto wärmer ist der Stoff und desto höher auch die thermische Energie.

Arbeit und Energie

Schauen wir uns nochmal den Zusammenhang zwischen Arbeit und Energie näher an. Wie bereits erwähnt, beschreibt Arbeit in der Mechanik die Übertragung von Energie durch eine Kraft, die entlang eines Weges wirkt. Wird Kraft von einem Körper auf den nächsten übertragen, wird Arbeit verrichtet. Arbeit lässt sich aus der wirkenden Kraft sowie dem zurückgelegten Weg errechnen. Bei nichtlinearen Wegen wird das Kurvenintegral hinzugezogen. Es gibt verschiedene Formen der mechanischen Arbeit, welche aufgrund ihrer Art als unterschiedliche Energien auftreten:

  • Hubarbeit ändert die Lage eines Körpers und daraus entsteht potentielle Energie.
  • Beschleunigungsarbeit bewegt einen Körper und daraus entsteht kinetische Energie.
  • Spannarbeit erzeugt Spannenergie.
  • Reibungsarbeit erzeugt Wärmeenergie.

Nur die ersten drei Energieformen können verwertet werden. Bei Reibung findet eine Energieentwertung statt, siehe dazu mehr im nachfolgenden Abschnitt.

Potentielle Energie
Potentielle Energie wird durch Hubarbeit erhöht
Kinetische Energie
Kinetische Energie in bewegter Masse des Hammers + zusätzliche Handkraft
Mechanische Energie
Umwandlung von Bewegungsenergie und Handkraft in Schlagkraft (Nagel wird eingetrieben)

Umwandlung von Energie

In einem idealen System wird Energie auf reversible Art umgewandelt. Das bedeutet, dass die potentielle und kinetische Energie ohne Auftreten von Reibung ineinander umgewandelt wird. Ein Beispiel wäre ein Pendel in einem Vakuum, das sich reibungsfrei bewegt. Am höchsten Punkt hat das Pendel die maximale potentielle Energie und in der Mitte der Schwingung die maximale kinetische Energie. Dieser Prozess ist umkehrbar und die Höhe der im System befindlichen Energiemenge bleibt konstant.

In der Realität ist es jedoch so, dass der Körper durch den Einfluss anderer Kräfte abgebremst wird und sich ein Teil der kinetischen Energie in Wärmeenergie umwandelt. Das bedeutet auch, dass diese Energieentwertung irreversibel ist und die nutzbare Energiemenge eines realen Systems stetig weniger wird, bis der Stillstand eintritt. Ohne weiteren Aufwand kann die so verlorene Energie nicht vollständig zurückgewandelt werden. Die Hauptursachen dieser Verluste sind Reibung, Dämpfung und plastische Verformung.

Reibung entsteht überall dort, wo sich zwei Festkörperflächen relativ zueinander bewegen, z.B. in Gleit- oder Wälzlagern, Führungen oder Gewindeverbindungen. Dabei wird ein Teil der mechanischen Energie durch Haft- und Gleitreibungskräfte in Wärme umgewandelt, was zu einem irreversiblen Energieverlust führt. Reibungsverluste lassen sich technisch zwar minimieren (z. B. durch Schmierung oder Werkstoffwahl), aber niemals vollständig vermeiden.

Eine Option: Ein vorgeschmiertes Bauteil verwenden, wie hier ein Linearkugellager im Webshop von MISUMI
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Dämpfung bezeichnet die gezielte oder ungewollte Reduktion von Schwingungen in einem System, meist durch Umwandlung von kinetischer Energie in innere Reibung und Wärme. Auch wenn Dämpfung gewünscht ist (z.B. zur Schwingungsberuhigung), geht dabei ein Teil der Bewegungsenergie verloren und steht nicht mehr für mechanische Arbeit zur Verfügung.

Dämpfende Materialien bei MISUMI
Dämpfende Materialien bei MISUMI

Bei plastischen Verformungen (z.B. Stanzvorgänge oder Biegeprozesse) wird ein Teil der Energie genutzt, um das Material dauerhaft umzuformen. Diese Energie kann nicht wieder in Bewegungs- oder Lageenergie zurückverwandelt werden, sondern bleibt als Strukturänderung im Material gebunden. Auch bei elastischen Verformungen (z.B. in Federn) geht durch Materialinnenspannungen und Hysterese ein kleiner Teil der Energie in Form von Wärme verloren.

Energiedichte und Leistung

Energie ist zwar das zentrale Element für physikalische Vorgänge, es ist jedoch auch entscheidend, wie schnell diese verfügbar ist. Die sog. Energieleistung beschreibt, wie viel Energie pro Zeitspanne umgesetzt wird. Die Energieleistung lässt sich wie folgt berechnen:

P = \frac{E}{t}

• P = Leistung in Watt
• E = Energie in Joule
• t = Zeit in Sekunden

Die Energieleistung kann durch Bereitstellung von mehr Energie oder die Verkürzung der benötigten Zeit verändert werden. Letzteres beschreibt die mechanische Leistung: Je schneller die Arbeit verrichtet wird, desto höher ist die mechanische Leistung. Verschiedene Arbeiten werden so miteinander vergleichbar.

Mechanische Leistung berechnen

Die mechanische Leistung lässt sich auf unterschiedliche Weise berechnen. Bei rotierenden Komponenten lässt sich die mechanische Leistung z.B. für das Drehmoment berechnen. Diese Leistung wird auch Wellenleistung genannt (worauf es bei einer Kupplung ankommt, erläutert unser Techblog Wellenkupplungen und Gelenke).

Am praktischen Anwendungsbeispiel einer Fräsmaschine berechnet sich die für einen gewählten Vorschub benötigte Leistung aus dem zum Abtragen des Materials benötigten Drehmoment und der Drehzahl der Welle. Folgende Formel wird bei der Berechnung angewandt:

P = 2\pi \times M \times n

• P = Leistung in W
• M = Das Drehmoment in Nm
• π = Kreiszahl Pi
• n = Die Drehzahl U/Sekunde

Ein Sonderfall der mechanischen Leistung ist die Hubleistung, also die Leistung, die beim Anheben einer Masse gegen die Schwerkraft erbracht wird. Zur Berechnung wird die Hubarbeit verwendet, die sich aus der Multiplikation von Masse, Erdbeschleunigung und Hubhöhe ergibt. Teilt man diese Arbeit durch die benötigte Zeit, erhält man die Hubleistung.

P = \frac{F \times s}{t}

• P = Leistung in W
• F = Kraft in N
• s = Strecke in m
• t = Zeit in s

Ein weiterer Sonderfall der mechanischen Leistung ist die Berechnung der Beschleunigung. Bei einer Translation handelt es sich um die geradlinige Bewegung eines Körpers, die stets durch eine vorhergehende Beschleunigung eingeleitet wird. Die mechanische Leistung bei einer solchen Bewegung kann über Kraft und Geschwindigkeit berechnet werden. Für die Berechnung spielt es keine Rolle, ob man von Beschleunigungsleistung oder Translationsleistung spricht. Ein typisches Beispiel ist das Verschieben einer Masse auf Rollen, bei dem eine Kraft über eine Strecke wirkt und dadurch eine Geschwindigkeit erzeugt wird. Die Beschleunigungsleistung kann wie folgt berechnet werden:

P = F \times v

• P = Leistung in W
• F = Kraft in N
• v = Geschwindigkeit in m/s