Maschinenschwingung - mechanische Schwingungen kennen und kontrollieren

Ob dämpfen, ableiten oder gezielt nutzen: Mechanische Schwingungen lassen sich meist mit geeigneten Maßnahmen technisch beherrschen. Versteht man die Ursachen der Schwingung, können Bauteile, Maschinen und Systeme nicht nur geschützt, sondern gezielt optimiert werden. In diesem Betrag erfahren Sie, wie mechanische Schwingungen beeinflusst werden und welche Rolle Schwingungsarten, dämpfende Komponenten und die Modalanalyse im Maschinenbau spielen. Sie erhalten außerdem einen Einblick in Vermeidungsstrategien, von der Begrenzung der Freiheitsgrade über den gezielten Einsatz von Schwingungsdämpfern bis hin zur konstruktiven Gestaltung von Schwingungspfaden.

Mechanische Schwingungen und Schwingungsarten

Was ist eigentlich eine Schwingung? Eine mechanische Schwingung ist eine periodische Bewegung eines Körpers um eine stabile Gleichgewichtslage, auch Ruhelage genannt. Nach Ablauf der Periodendauer T befindet sich der Körper wieder im gleichen Bewegungszustand. Schwingungen unterscheiden sich in harmonisch, linear gedämpft und angeregt. Bei einer harmonischen Schwingung beschreibt die Bewegung des Schwingkörpers einen gleichförmigen Kreis. Das bedeutet stets auch, dass die rückstellende Kraft, die auf den schwingenden Körper einwirkt, der Auslenkung entgegengesetzt gerichtet ist und ihr Betrag proportional zur Entfernung des Körpers von seiner Ruhelage ist. Eine linear gedämpfte Schwingung ist eine Schwingung, bei der die Amplitude durch eine lineare Dämpfung (z.B. Reibung proportional zur Geschwindigkeit) mit der Zeit kontinuierlich abnimmt. Eine angeregte Schwingung entsteht, wenn ein schwingfähiges System durch eine äußere periodische Kraft zu einer Schwingung mit stabiler oder ansteigender Amplitude angeregt wird.

Amplitude Periode(Wellenlänge)

Nach Art der Anregung wird weiterhin unterschieden in:

  • Frei: Freie Schwingungen entstehen, wenn ein schwingfähiges System einmal angestoßen wird und danach ohne weitere äußere Einwirkung schwingt. In besonders einfachen Systemen ohne Reibung oder Dämpfung spricht man von einer ungedämpften Schwingung. In der Realität wird eine Schwingung aber immer durch Reibung gedämpft. Der Anteil der Reibung hat direkten Einfluss auf den Schwingungsverlauf. Je nach Dämpfung kehrt das System dabei von der ursprünglichen Schwingung ausgehend schnell oder langsam ausklingend in seinen Ruhezustand zurück. Die dabei auftretende Schwingfrequenz nennt man Eigenfrequenz. Hat das System mehrere Bewegungsmöglichkeiten (Freiheitsgrade), besitzt es auch mehrere Eigenfrequenzen.
  • Erzwungen: Erzwungene Schwingungen entstehen, wenn ein System durch eine äußere, meist periodische Kraft zum Schwingen angeregt wird, typischerweise mit einer sogenannten Erregerfrequenz. Neben der kurzzeitig auftretenden freien Schwingung (mit der Eigenfrequenz) bildet sich eine erzwungene Schwingung aus, deren Amplitude nach der Einschwingzeit konstant bleibt oder durch Resonanzeffekte bis zur Zerstörung des Systems anteigt. Besonders bei harmonischer Erregung kann es bei Übereinstimmung von Eigen- und Erregerfrequenz zur Resonanz mit stark vergrößerter Amplitude kommen.
  • Selbsterregt: Selbsterregte Schwingungen entstehen, wenn ein System seine Schwingungen durch Rückkopplung selbst aufrechterhält. Die Energiezufuhr wird dabei durch den Schwingungsvorgang gesteuert. Sie werden Oszillator genannt. Ein Beispiel ist das Schwingen eines Glases beim Reiben am Rand. Die Amplitude wächst so lange, bis Verluste und Energiezufuhr im Gleichgewicht sind oder das System zerstört wird.
  • Parametererregt: Parametererregte Schwingungen entstehen, wenn sich Systemparameter wie Masse, Steifigkeit oder Dämpfung periodisch verändern. Diese Art der Schwingung unterscheidet sich von erzwungenen Schwingungen dadurch, dass keine äußere Kraft wirkt, sondern die Anregung über interne Systemänderungen erfolgt.

6 mögliche Freiheitsgrade eines Festkörpers

Die sechs Freiheitsgrade eines Festkörpers (drei Translationen und drei Rotationen) bestimmen, in welchen Richtungen und um welche Achsen Schwingungen auftreten können. Durch Kombination der translatorischen und rotatorischen Freiheitsgrade kann ein Festkörper jede mögliche Position erreichen. Je nach Art der Lagerung und Anregung können bestimmte Freiheitsgrade unterdrückt oder bevorzugt angeregt werden, was das Schwingungsverhalten maßgeblich beeinflusst. Dadurch ergeben sich komplexe Eigenfrequenzen und Schwingungsmoden, insbesondere bei nicht symmetrischen oder elastischen Systemen.

Vorwärts- und Rückwärtsbewegung (X-Achse)
Vorwärts- und Rückwärtsbewegung (X-Achse)
Links- und Rechtsbewegung (Y-Achse)
Links- und Rechtsbewegung (Y-Achse)
Auf- und Abbewegung (Z-Achse)
Auf- und Abbewegung (Z-Achse)
Seitliches Kippen (um X-Achse)
Seitliches Kippen (um X-Achse)
Vorwärts- und Rückwärtskippen (um Y-Achse)
Vorwärts- und Rückwärtskippen (um Y-Achse)
Links-/Rechtsdrehung um die eigene Achse (Z-Achse)
Links-/Rechtsdrehung um die eigene Achse (Z-Achse)

Die Schwingung selbst zählt als weiterer Freiheitsgrad. Genauer gesagt stellt jede Eigenschwingform eine charakteristische Bewegung dar, die das System ohne äußere Krafteinwirkung ausführen kann. Diese entstehen aus der elastischen Verformbarkeit der Bauteile und erweitert das dynamische Verhalten über die rein starren Freiheitsgrade hinaus. In der praktischen Anwendung, etwa im Maschinen- oder Fahrzeugbau, beeinflussen diese Eigenschwingungen maßgeblich die Betriebsfestigkeit und Geräuschentwicklung. Wird sie nicht berücksichtigt, kann sie zu Resonanzphänomenen führen, die Maschinenbauteile überlasten oder schädigen. Daher ist die Modalanalyse ein zentrales Werkzeug in der Produktentwicklung. Die Modalanalyse ist ein Verfahren zur Bestimmung der Eigenfrequenzen, Eigenformen und Dämpfungsanteile eines mechanischen Systems. Typische Eigenfrequenzen entstehen durch Biege-, Torsions- oder Längsschwingungen (je nach Geometrie, Material und Lagerung). Die Analyse erfolgt entweder experimentell (z. B. mit Impulshammer und Beschleunigungssensoren) oder numerisch per FEM-Simulation (vgl. Härtegrad-Vergleich). Ziel der Modalanalyse ist es, kritische Frequenzbereiche zu identifizieren, die mit Betriebsfrequenzen oder Erregerfrequenzen übereinstimmen könnten (d.h. sogenannte Resonanzgefahr beinhalten).

Prinzip der Schwingungsübertragung
Prinzip der Schwingungsübertragung

Begrenzung der Freiheitsgrade

Eine Option zur Vermeidung von Schäden durch unkontrollierte Bewegungen durch verschiedene Freiheitsgrade ist deren gezielte Einschränkung. Doppel- und Dreifachpendel sind klassische Beispiele für mechanische Systeme mit mehreren Freiheitsgraden, die aufgrund ihrer kinematischen Kopplung ein nichtlineares, chaotisches Bewegungsverhalten zeigen. Ein Doppelpendel besteht aus zwei gelenkig verbundenen Massen, ein Dreifachpendel aus drei. Beide Pendelarten reagieren bereits bei kleinen Auslenkungen extrem empfindlich auf Veränderungen der Anfangsbedingungen. Solche sogenannten Chaospendel dienen in der theoretischen Physik als Modelle für dynamisch instabile Systeme, sind in der praktischen Konstruktionstechnik jedoch unerwünscht. In der Mechanik wird ein solches Verhalten gezielt verhindert, indem Freiheitsgrade durch geeignete Lagerungen, Führungen oder Kopplungen reduziert und stabilisierte Bewegungsbahnen vorgegeben werden. Besonders bei hochdynamischen Maschinen oder Robotern würde chaotisches Verhalten die Vorhersagbarkeit, Wiederholgenauigkeit und Prozesssicherheit erheblich beeinträchtigen.

Es gibt verschiedene konstruktive und steuerungstechnische Möglichkeiten, die Freiheitsgrade eines Systems einzugrenzen:

  • Lagerungen, z.B. Gelenke, Führungen, für Bewegungsbegrenzung auf einer definierten Achse.
  • Mechanische Kopplungen, z.B. Hebel, Kurvenscheiben, zur Kopplung von Bewegungen zwischen Körpern.
  • Kinematische Führungssysteme, z.B. Kreuztische, die Bewegungen in bestimmte Freiheitsgrade gezielt ausschließen.
  • Führungsprofile, z.B. Schienen, Nuten, Führungsbahnen, die eine definierte Bewegungsrichtung vorgeben.
  • Form- und kraftschlüssige Fixierungen, z.B. Spannsysteme oder Klemmmechanismen, die einen Körper kurzzeitig oder dauerhaft fixieren.

Schwingung, Übertragung und Masse

Die Eigenfrequenz eines Systems sinkt mit zunehmender Masse, was es unempfindlicher gegenüber hochfrequenten Anregungen macht. Gleichzeitig erhöht sich jedoch das Trägheitsmoment, was die Reaktionszeit verlängern kann. In der Schwingungstechnik spricht man vom Prinzip der Schwingungsübertragung, bei dem Masse, Federsteifigkeit und Dämpfung gezielt aufeinander abgestimmt werden, um kritische Frequenzbereiche zu meiden oder zu filtern. Dieses Prinzip wird u. a. in Schwingungsisolatoren, Maschinenfundamenten und mehrlagigen Dämpfungssystemen umgesetzt, um Schwingungen gezielt vom Aufbau fernzuhalten oder nur kontrolliert zu übertragen.

Prinzip der Schwingungsübertragung
Prinzip der Schwingungsübertragung

Schwingungsüberlagerung - was ist das?

Schwingungsüberlagerung bezeichnet das physikalische Prinzip, dass sich mehrere gleichzeitig wirkende Schwingungen in einem System addieren, wobei sich ihre Auslenkungen zu jedem Zeitpunkt überlagern. Dabei entsteht eine resultierende Schwingung, deren Form und Amplitude sich aus der Summation der Einzelbewegungen ergibt. Das gilt besonders für lineare Systeme. Es ist möglich, die Schwingungsüberlagerung zu berechnen.

Schwingungsreduzierung

Durch gezielte Konstruktion von Schwingungspfaden und Dämpfungselementen können unerwünschte Schwingungen kontrolliert aus dem System abgeleitet und so schädliche Auswirkungen verhindert werden. Eine Erhöhung der bewegten Masse oder eine Veränderung der Systemsteifigkeit können die Eigenfrequenz senken und dadurch die Übertragung unerwünschter Schwingungsenergie verringern. Gleichzeitig kann eine geringere Anregungsenergie durch Entkopplung oder Dämpfung erreicht werden, wodurch das Schwingungsverhalten insgesamt reduziert wird.

Werkstoffe mit hoher innerer Reibung wie Gummi, PUR oder viskoelastische Kunststoffe wandeln Schwingungsenergie in Wärme um. Solche dämpfenden Materialien werden gezielt in Zwischenlagen, Maschinenfüßen oder Werkzeugaufnahmen eingesetzt.

Nachfolgend sehen Sie einige Komponenten, die zur Schwingungsreduzierung beitragen:

Positive Nutzung von Schwingung: Federung und Dämpfung

Ein gedämpftes Federpendel ist ein klassisches Beispiel für die gezielte Nutzung von Schwingungen in mechanischen Systemen, z.B. bei der Federung in Fahrzeugen oder der Schwingungsisolation in Maschinen. Auch Vibrationsförderer machen sich Schwingungen zunutze, um Werkstücke oder Schüttgut über definierte Bahnen zu transportieren. Durch die abgestimmte Wechselwirkung zwischen Masse, Federsteifigkeit und Dämpfung entsteht eine gerichtete Bewegung.

Je nach Verhältnis zwischen Federkonstante, Masse und Dämpfung treten unterschiedliche Schwingfälle auf, die konstruktiv genutzt oder vermieden werden können:

  • Schwingfall (unterkritisch gedämpft): Das System führt gedämpfte, periodische Schwingungen aus, deren Amplitude mit der Zeit abnimmt. Diese Form ist in der Technik oft gewünscht, z. B. bei Stoßdämpfern, da sie Energie abbaut, aber eine schnelle Rückkehr zur Ruhelage ermöglicht.
  • Aperiodischer Grenzfall (kritisch gedämpft): Das System kehrt ohne Schwingung am schnellsten in die Ruhelage zurück. Dies ist ideal für hochpräzise Anwendungen, z.B. bei Messsystemen oder empfindlichen Maschinenführungen.
  • Kriechfall (überkritisch gedämpft): Die Rückkehr zur Gleichgewichtslage erfolgt langsam und ohne Überschwingen. Dies wird bewusst eingesetzt, wenn maximale Ruhe und Stabilität wichtiger sind als Reaktionsschnelligkeit, z.B. in vibrationsisolierten Maschinenfundamenten.
Beispiel für eine positive Nutzung von Schwingung
Beispiel für eine positive Nutzung von Schwingung