Technischer Leitfaden zur Lagerauswahl für Rotationswellen und Torsionswellen
Wellen gehören zu den zentralen Elementen nahezu jeder Maschine. Damit diese rotierenden und torsionsbelasteten Bauteile ihre Funktion zuverlässig erfüllen können, müssen die Lager, die diese Wellen führen, perfekt auf die jeweilige Anwendung und Einbausituation abgestimmt sein. Die Auswahl eines geeigneten Wellenlagers (Rotationslagers) hat daher einen signifikanten Einfluss auf die Lebensdauer und Energieeffizienz einer Maschine sowie deren Geräuschentwicklung und Wartungsaufwand.
Doch welche Lagerart ist die richtige für eine bestimmte Welle?
Dieser Leitfaden zeigt wie man auf Basis technischer Kriterien und praktischer Rahmenbedingungen die optimale Lagerlösung für Rotations- und Torsionswellen auswählt.
Aufgabe und Bedeutung von Wellenlagern
Wellenlager ermöglichen eine Lagerung (bewegliche Verbindung) zwischen zwei relativ zueinander bewegten Elementen wie zum Beispiel einer Welle und einem Gehäuse. Sie stützen die Welle, halten sie in Position und ermöglichen die Rotation der Welle um die eigene Längsachse. Die unterschiedlichen Bauformen unterscheiden sich nicht nur durch unterschiedliche Einschränkung der einzelnen Freiheitsgrade (Spiel, axial, radial, angular), sondern auch durch ihr Laufverhalten, ihre Präzision und ihre Belastbarkeit.
Je nach Einbausituation müssen von den Wellenlagern Radialkräfte, Axialkräfte oder eine Kombination aus beiden aufgenommen werden. Doch auch die Positioniergenauigkeit, Reibungsverluste und Wärmeentwicklung sowie Lebensdauer oder Schwingungsverhalten des Gesamtsystems werden von den eingesetzten Wellenlagerungen beeinflusst.
Das Problem:
Häufig stehen Ingenieure bei der Konstruktion vor der Situation, dass die Welle bereits vorgegeben ist. Funktion, Durchmesser und Werkstoff der Welle sind schon festgelegt und das Lager muss sich an die Welle anpassen. Der Innendurchmesser des Lagers ergibt sich in solchen Fällen direkt aus dem Wellenmaß, während andere Parameter wie Baugröße, Bauform, Toleranz, Abdichtung und Schmierung und Werkstoff gezielt gewählt werden können.
Welche Einflussgrößen gilt es zu beachten?
Die Wahl des Wellenlagers beginnt mit der Analyse der Anwendung und der Ermittlung der zu erfüllenden Anforderungen. Aus diesen Anforderungen ergibt sich, ob Radial-, Axial- oder Schräglager erforderlich sind.
Zu berücksichtigen sind insbesondere:
| Kräfte und Kraftrichtungen am Wellenlager | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kraft | Wirkrichtung | Typische Ursache | Detailbild | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Radialkräfte | Radial / senkrecht zur Wellenachse | Riemenspannung, Gewichtskraft, Unwucht |
![]() |
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| Axialkräfte | Axial / parallel zur Wellenachse | Druckbelastungen in Achsrichtung, Schrägverzahnungen | ![]() |
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| Kombinierte Kräfte |
Senkrecht und parallel zur Wellenachse | Liegt in der Praxis fast immer vor | ![]() |
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| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Drehzahl, Belastung und Lastwechsel
Hohe Drehzahlen erfordern Wellenlager mit geringer Reibung. Durch ihre geringe Kontaktfläche zwischen Lagerring und Rollkörper bieten sich hier Wälzlager an.
Hohe Lasten, wie sie bei Pressen oder Getrieben auftreten, sprechen für Rollenlager oder Nadellager da einwirkende Kräfte auf deren linienförmige Belastungsfläche besser verteilt werden können.
| Kontaktfläche der Wellenlager | |||
|---|---|---|---|
| Lagerart | Kontaktfläche (vereinfacht) |
Typische Drehzahl |
Tragfähigkeit |
| Kugellager | ![]() |
Hoch | Gering bis mittel |
| Rollenlager | ![]() |
Mittel | Hoch |
| Nadellager | ![]() |
Mittel | Sehr Hoch |
| Gleitlager | Drehzahl und Last sind abhängig von Werkstoff und Reibung. Der PV-Wert gibt eine Aussage zur kombinatorischen Eignung des Druck-Drehzahl Verhältnisses. | ||
Ist bei der Anwendung mit Wechselbelastung oder Stoßlasten zu rechnen, müssen auch die Wellenlager darauf ausgelegt sein. Kegelrollenlager oder Schrägkugellager mit hoher innerer Stabilität sind hier oft vorteilhaft. Diese können über ihre Einstellbarkeit mit Spiel oder mit Vorspannung betrieben werden.
Bei hochfrequenten Lastwechseln (Vibrationen) ist zudem die Ermüdungsfestigkeit (Werkstoff) entscheidend.
Ausführliche Informationen zu Eigenschaften und Unterschieden von Gleit- und Wälzlagern finden sie in unseren Beiträgen Gleitlager in der Praxis und Unterschiede zwischen Kugellager und Gleitlager.
Betriebstemperatur
Nicht zu verachten ist die Auswirkung der Betriebstemperatur auf die Schmier- und Laufeigenschaften der Wellenlager. Bei Temperaturen über 70 °C änder sich bei vielen Schmiermitteln das Schmierverhalten und die Werkstoffeigenschaften des Schmiermittels. Sind höhere Betriebstemperaturen zu erwarten können Hochtemperaturfette hier eine Lösung sein.
Ebenso muss der Werkstoff des Lagers (Kunststoff, Stahl, Keramik) und seine Temperaturbeständigkeit betrachtet werden.
Einbauverhältnisse, Platzbedarf und Einbindung in die Konstruktion
Auch die Möglichkeiten der Integration der Wellenlager innerhalb der Maschine sollte betrachtet werden. Spielt bei kompakten Systemen vor allem die axiale Bauhöhe und Baubreite der Wellenlager eine Rolle, ist ein guter Zugang zu den eingebauten Wellenlagern nicht zu unterschätzen da er starken Einfluss auf die späteren Wartungsmöglichkeiten und Wartungskosten hat. Die unterschiedlichen Montagearten als Gehäuselager: Stehlager, Flanschlager oder integrierte Lagerlösungen bieten hier unterschiedliche Möglichkeiten. Während fertige Gehäuseeinheiten wie Stehlager oder Flanschlager eine einfache Integration ermöglichen, kann bei individuellen Konstruktionen das Lager direkt in das Bauteil integriert werden.
Die Passungsauswahl
In unserem Beispiel wurde die Welle und damit der Nenndurchmesser bereits ausgewählt. Der Nenndurchmesser des Lagerinnenrings steht damit fest. Für Lagerinnenringe und Lageraußenringe gibt es Toleranztabellen.
Für die Integration müssen 4 Toleranzfeldlagen betrachtet werden:
- Toleranzfeldlage der Welle
- Toleranzfeldlage des Lagerinnenrings
- Toleranzfeldlage des Lageraußenrings
- Toleranzfeldlage der Bohrung im Gehäuse
Am Markt übliche Toleranzfeldlagen für Wellen sind g6, h6, h7.
Eine typische Toleranzklasse für die Gehäusebohrung ist H7, woraus in Kombination mit der Außenringtoleranz eine Spielpassung resultiert. Der Vorteil dieser Passung ist eine einfache Montage. Wenn es erfordlich ist den Lageraußenring zu fixieren ist ein anerober Klebstoff empfehlenswert.
Die Toleranzfeldlagen für Lageraußen- und Lagerinnenringe von Radiallagern sind nach JIS oder ISO definiert. Hier werden die Genauigkeitsklassen festgelegt (z.B. P0).
Toleranzklassen für äußere Dimensionen des Lagers werden typischerweise in P-Klassen (precission-classes) angegeben. Die Toleranzklasse für inneres Spiel wird typischerweise als C-Klassen (clearance-class) angegeben,
Aus der gewählten Paarung der Passung zwischen Welle und Lager sowie Lager und Gehäuse ergibt sich im Zusammenhang mit allen tatsächlichen Toleranzen das Lagergesamtspiel.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Beiträgen: Grundlagen von Maßtoleranzen und der Passungsauswahl und Passungsarten und Toleranzen - Ein Überblick.
| Toleranzen bei Radiallagern (Klasse 0) - Innenring (Einheit: μm) - Auszug aus JIS B 1514 | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| d Nenn- durchmesser Innenring in mm |
dmp | Durchmesserreihe | Vdmp | Kia | Ein Lager | Mehrere Lager | V Bs | ||||||
| 9 | 0, 1 | 2, 3, 4 | Bs | Bs | |||||||||
| Vdp | |||||||||||||
| Von | Bis | Von | Bis | Max. | Max. | Max. | Von | Bis | Von | Bis | Max. | ||
| 0.6(1) | 2.5 | 0 | -8 | 10 | 8 | 6 | 6 | 10 | 0 | -40 | − | − | 12 |
| 2.5 | 10 | 0 | -8 | 10 | 8 | 6 | 6 | 10 | 0 | -120 | 0 | -250 | 15 |
| 10 | 18 | 0 | -8 | 10 | 8 | 6 | 6 | 10 | 0 | -120 | 0 | -250 | 20 |
| 18 | 30 | 0 | -10 | 13 | 10 | 8 | 8 | 13 | 0 | -120 | 0 | -250 | 20 |
| 30 | 50 | 0 | -12 | 15 | 12 | 9 | 9 | 15 | 0 | -120 | 0 | -250 | 20 |
| 50 | 80 | 0 | -15 | 19 | 19 | 11 | 11 | 20 | 0 | -150 | 0 | -380 | 25 |
| 80 | 120 | 0 | -20 | 25 | 25 | 15 | 15 | 25 | 0 | -200 | 0 | -380 | 25 |
| 120 | 180 | 0 | -25 | 31 | 31 | 19 | 19 | 30 | 0 | -250 | 0 | -500 | 30 |
| 180 | 250 | 0 | -30 | 38 | 38 | 23 | 23 | 40 | 0 | -300 | 0 | -500 | 30 |
| 250 | 315 | 0 | -35 | 44 | 44 | 26 | 26 | 50 | 0 | -350 | 0 | -500 | 35 |
| 315 | 400 | 0 | -40 | 50 | 50 | 30 | 30 | 60 | 0 | -400 | 0 | -630 | 40 |
| 400 | 500 | 0 | -45 | 56 | 56 | 34 | 34 | 65 | 0 | -450 | − | − | 50 |
| 500 | 630 | 0 | -50 | 63 | 63 | 38 | 38 | 70 | 0 | -500 | − | − | 60 |
| 630 | 800 | 0 | -75 | − | − | − | − | 80 | 0 | -750 | − | − | 70 |
| 800 | 1000 | 0 | -100 | − | − | − | − | 90 | 0 | -1000 | − | − | 80 |
| 1000 | 1250 | 0 | -125 | − | − | − | − | 100 | 0 | -1250 | − | − | 100 |
| 1250 | 1600 | 0 | -160 | − | − | − | − | 120 | 0 | -1600 | − | − | 120 |
| 1600 | 2000 | 0 | -200 | − | − | − | − | 140 | 0 | -2000 | − | − | 140 |
| Toleranzen bei Radiallagern (Klasse 0) - Außenring (Einheit: μm) - Auszug aus JIS B 1514 | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| D Nenn- durchmesser Außenring in mm |
Dmp | Offenes Lager | Geschlossenes Lager, Geschütztes Lager |
(4) VDmp |
Kea | Cs | VCs | ||||||
| Durchmesserreihe | |||||||||||||
| 9 | 0, 1 | 2, 3, 4 | 2, 3, 4 | ||||||||||
| VDp | |||||||||||||
| Von | Bis | Von | Bis | Max. | Max. | Max. | Max. | Von | Bis | Max. | |||
| 2.5(3) | 6 | 0 | −8 | 10 | 8 | 6 | 10 | 6 | 15 | Abhängig von der Toleranz Bs zu d desselben Lagers | Abhängig von der Toleranz Bs zu d desselben Lagers |
||
| 6 | 18 | 0 | −8 | 10 | 8 | 6 | 10 | 6 | 15 | ||||
| 18 | 30 | 0 | −9 | 12 | 9 | 7 | 12 | 7 | 15 | ||||
| 30 | 50 | 0 | −11 | 14 | 11 | 8 | 16 | 8 | 20 | ||||
| 50 | 80 | 0 | −13 | 16 | 13 | 10 | 20 | 10 | 25 | ||||
| 80 | 120 | 0 | −15 | 19 | 19 | 11 | 26 | 11 | 35 | ||||
| 120 | 150 | 0 | −18 | 23 | 23 | 14 | 30 | 14 | 40 | ||||
| 150 | 180 | 0 | −25 | 31 | 31 | 19 | 38 | 19 | 45 | ||||
| 180 | 250 | 0 | −30 | 38 | 38 | 23 | − | 23 | 50 | ||||
| 250 | 315 | 0 | −35 | 44 | 44 | 26 | − | 26 | 60 | ||||
| 315 | 400 | 0 | −40 | 50 | 50 | 30 | − | 30 | 70 | ||||
| 400 | 500 | 0 | −45 | 56 | 56 | 34 | − | 34 | 80 | ||||
| 500 | 630 | 0 | −50 | 63 | 63 | 38 | − | 38 | 100 | ||||
| 630 | 800 | 0 | −75 | 94 | 94 | 55 | − | 55 | 120 | ||||
| 800 | 1000 | 0 | −100 | 125 | 125 | 75 | − | 75 | 140 | ||||
| 1000 | 1250 | 0 | −125 | − | − | − | − | − | 160 | ||||
| 1250 | 1600 | 0 | −160 | − | − | − | − | − | 190 | ||||
| 1600 | 2000 | 0 | −200 | − | − | − | − | − | 220 | ||||
| 2000 | 2500 | 0 | −250 | − | − | − | − | − | 250 | ||||
Axiale Lagersicherung
Bei der Kombination Welle, Lager und Gehäuse sollte eine axiale Verschiebung verhindert werden. Damit sollte bei einer Doppellagerung einer Welle mindestens eine Seite als Festlager ausgeführt werden.
Hierzu gibt es für die 2 Schnittstellen Außenring-Gehäuse und Innenring-Welle verschiedene Möglichkeiten.
Folgende Sicherungselemente bzw. Sicherungsmethoden sind unter anderem verfügbar:
- formschlüssige Sicherungen wie: Sprengringe, Sicherungsringe, Sicherungsscheibe oder Nutmuttern.
- kraftschlüssige Sicherungen wie: Krallen-Klemmscheiben, Stellringe oder Klemmringe
- reibschlüssige Sicherungen wie: Anerobe Klebstoffe oder Presspassung
Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Beitrag Elemente zur axialen Lagersicherung.
Neben konstruktiven Aspekten und den Platzverhältnissen sollte aber auch die Abdichtung und der Schutz der Wellenlager betrachtet werden. Staub, Feuchtigkeit und Späne können nicht nur negative Auswirkungen auf das Schmierverhalten und die Laufeigenschaften der Wellenlager haben. Sie können im Ernstfall bis zu einem Lagerschaden führen.
Übliche Dichtungstypen für Wälzlager sind:
- Deckscheiben (Z / ZZ): ein- oder beidseitig, für trockene, saubere Umgebungen
- Dichtscheiben (RS / 2RS): schützen gegen Feuchtigkeit, Staub und leichte Spritzwasserbelastung
- Labyrinthdichtungen und Deckscheiben: für raue Industrieumgebungen mit starkem Schmutzeintrag
Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Beitrag: Kugellager: Dichtscheiben / Deckscheiben.
Anordnung und Kombinationsmöglichkeiten
Unter Berücksichtigung der Wellenform und Wellenabmessung, sowie des zur Verfügung stehenden Bauraums müssen die Wellenlager auch die Anforderung an Genauigkeit und Belastung erfüllen. Die Auswahl, Einbindung und Anordnung der Lager muss daher gründlich überlegt sein.
Wir stellen Ihnen hier einige Montagebeispiele vor:
Das Rillenkugellager
Rillenkugellager sind für hohe Drehzahlen ausgelegt. Durch die geringen Kontaktflächen zwischen den Wälzkörpern und den Laufbahnen von Innen- und Außenring zeichnen sie sich durch niedrige Reibung und eine geringe Wärmeentwicklung aus. Sie können sowohl radiale als auch mäßige axiale Lasten aufnehmen und bieten damit eine zuverlässige Lösung für viele Anwendungen.
Für Anwendungen mit hohen Momentbelastungen, Fluchtungsfehlern oder axialen Verschiebungen sind Rillenkugellager jedoch weniger geeignet.
Das Schrägkugellager
Auch Schrägkugellager sind für hohe Drehzahlen geeignet. Sie können kombinierte Lasten aufnehmen, also gleichzeitig Radial- und Axialkräfte.
Aufgrund ihrer Bauweise sind Schrägkugellager jedoch nur aus einer Richtung axial belastbar. Wird die Axialkraft aus der entgegengesetzten Richtung aufgebracht, verschieben sich die Lagerringe und Wälzkörper, was zum Versagen des Lagers führen kann. Wie bei allen Kugellagern ist die Tragfähigkeit durch die punktförmige Kontaktfläche zwischen Wälzkörpern und Laufbahnen begrenzt. Soll die Axialkraft in beide Richtungen aufgenommen werden, ist eine paarweise Anordnung erforderlich.
Anordnungsmöglichkeiten für Schrägkugellager
Schrägkugellager bieten eine wirtschaftliche Möglichkeit neben Radialkräften auch Axialkräfte aufzunehmen. Die richtige Anordnung der Lager ist dafür entscheidend.
Bei einer O-Anordnung (1) oder X-Anordnung (2) können sich die Lager gegenseitig stützen.
Eine parallele Anordnung
(3 =Tandemanordnung) kann dafür deutlich höhere Axialkräfte in eine Richtung aufnehmen, bietet aber keinen Stützeffekt in entgegengesetzter Richtung.
Das Pendelkugellager
Pendelkugellager bestehen aus zwei Reihen von Kugeln, die zwischen einem Innen- und einem Außenring angeordnet sind. Durch ihre spezielle Bauweise können sich die Wälzkörper leicht in axialer Richtung bewegen, sodass sich das Lager bei Fluchtungsfehlern innerhalb eines bestimmten Bereichs selbst „einpendeln“ kann.
Innerhalb eines begrenzten Bereiches können angulare Fehlstellungen (Winkelfehlstellungen) ausgeglichen werden. Gleiches gilt für Spannlager mit balligem Außenring.
Die Laufbahn des Außenrings bildet eine gewölbte Fläche, deren Kurvenmitte auch die Lagermitte ist. Innenring, Kugeln, und Käfig können frei um das Kugellagerzentrum drehen und sich selbst ausrichten. Pendelkugellager sind gut für die Verwendung bei Antriebswellen mit Neigung zum Durchbiegen geeignet. Eignen sich aber auch in Situationen, in denen die Ausrichtung von Welle und Gehäuse schwierig ist.
Das Axialkugellager
Fertige Wellenlagergehäuse
Wellenlagergehäuse bieten die Möglichkeit eine fertige Wälzlagerpositionierung und Ausrichtung vehältnismäßig einfach in ein bestehendes System einzubinden. Meist sind die Wellenlagergehäuse bereits herstellerseitig vorgeschmiert und abgedichtet. Zusätzlich reduzieren sie durch die Bereitstellung als fertige Baugruppe den Konstruktionsaufwand und die Ersatzteilbeschaffung.
Im Beispiel eine Kombination aus 2 Schrägkugellagern und einem Rillenkugellager.
① Schräglager-Kombination (Festlager, O-Anordnung)
② Rillenkugellager (Loslager)
③ Gehäusekorpus
④ Abstandhalter*
⑤ Abdeckung
⑥ Abdeckung
⑦ Hülse für Innenring
⑧ Schraube
(* bei abgesetzter Welle nicht notwendig)
Das Gleitlager als Alternative zum Wälzlager
Im Gegensatz zu Wälzlagern arbeiten Gleitlager nicht mit Wälzkörpern, sondern mit dem Prinzip des Gleitens auf einem Schmierfilm. Gleitlager sind wartungsarm und kostengünstig, aber meist verschleißanfälliger als Wälzlager. Bei sehr hohen Radialbelastungen, starken Stößen oder langsamer Bewegung können sie eine sehr gute Alternative zu Wälzlagern sein. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag: MISUMI – Unterschiede zwischen Kugellager und Gleitlager.
Zusammenfassung - Vorgehensweise zur Lagerauswahl
- Analyse der Wellenfunktion (Drehbewegung, Drehmoment, Belastung)
- Bestimmung der Belastungsart (radial, axial oder kombiniert)
- Berechnung der Lasten und Drehzahlen
- Festlegung der Bauform (Kugel-, Rollen-, Kombi- oder Gleitlager)
- Bestimmung von Passung, Schmierung und Dichtung
- Überprüfung der Einbauverhältnisse
- Simulation / Nachrechnung der Lebensdauer (DIN ISO 281)
- Einbindung in das CAD-System
Praxisbeispiele
Beispiel:
Hochgeschwindigkeitsspindel mit Drehzahl von ca. 25 000 min⁻¹ und geringer Belastung.
Mögliche Anwendung:
Schrägkugellager (Paaranordnung) mit Fettfüllung
Beispiel:
Antriebswelle im Getriebe (Kombinierte Last und moderate Drehzahl)
Mögliche Anwendung:
Kegelrollenlager (vorspannbar)
Beispiel:
Förderrollenwelle (niedrige Drehzahl mit hoher Last in Staubumgebung)
Mögliche Anwendung:
Pendelrollenlager mit Labyrinthdichtung
Häufige Fehlerquellen:
- Falsche Passung: führt zu Spiel oder Pressungsschäden.
- Ungeeignete Schmierung: Hauptursache für Lagerschäden.
- Fehlausrichtung: erhöht Lagerbelastung drastisch.
- Überlastung: reduziert Lebensdauer exponentiell.
- Mangeldichtung: führt zu Korrosion und frühzeitigem Ausfall.
| Lagerart | Beispiel | Typische Eigenschaften | Schnitt |
|---|---|---|---|
| Kugellager | Rillenkugellager (z.B. nach DIN 625) |
• Universell einsetzbar • Hohe Drehzahlen möglich • Geringe Geräuschentwicklung • Radiale und moderate axiale Kräfte in beide Richtungen |
![]() |
| Schrägkugellager (z.B. nach DIN 628) |
• Für kombinierte Belastungen (radial + axial) • Axialkraftaufnahme in eine Richtung (beidseitig bei X- oder O-Anordnung) |
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|
| Vierpunktlager | • Sonderform des Schrägkugellagers • Axiale Kräfte in beide Richtungen, radial nur begrenzt belastbar • Ideal bei hoher Präzision und begrenztem Bauraum |
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|
| Pendelkugellager (z.B. nach DIN 630) |
• Kompensiert Fluchtungsfehler • Gut geeignet bei Gehäuseverformungen oder Wellendurchbiegung • Mittelhohe Drehzahl und Belastung |
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|
| Axialrillenkugellager (z.B. nach DIN 711) |
• Nur axiale Kräfte aufnehmbar • Häufig in Kombination mit Radiallagern eingesetzt |
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|
| Rollenlager | Zylinderrollenlager (z.B. nach DIN 5412) |
• Sehr hohe radiale Tragfähigkeit • Geringe axiale Aufnahme (nur speziellen Bauformen) |
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| Kegelrollenlager (z.B. nach DIN 720) |
• Aufnahme kombinierter Kräfte • Präzise Einstellbarkeit des Lagerspiels • Häufig in Fahrzeugachsen und Getrieben |
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|
| Pendelrollenlager (z.B. nach DIN 635) |
• Selbstjustierend bei Fluchtungsfehlern • Sehr hohe Tragzahlen • Besonders geeignet bei stoßartigen Belastungen |
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|
| Kreuzrollenlager | • Kreuzweise angeordnete Zylinderrollen • Hohe Steifigkeit und Präzision bei kompaktem Aufbau • Ideal für Roboterachsen oder Drehtische |
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|
| Axialrollenlager, Axialnadellager |
• Reine Axialkraftaufnahme, sehr tragfähig • Verwendung in Pressen, Förderanlagen oder Werkzeugmaschinen Scheibenarten: GS = Montage auf Gehäuseseite WS = Montage auf Wellenseite LS = Mittellage bei doppelter Käfiganordnung oder keine unterschiedliche Phasenanordnung notwendig ist. |
||
| Nadellager | • Schlanke Bauform bei hoher Tragfähigkeit • Ideal bei begrenztem Bauraum • Empfindlich gegenüber Schiefstellung • Häufig in Getrieben und Gelenkwellen |
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|
| Kombilager | Kombination aus Kugel und Rollenlager (NKX-Lager) |
• Vereint die Vorteile der verwendeten Lagertypen in einem Lager | ![]() |
Konfigurieren Sie Ihre Bauteile
Mit dem MISUMI-Konfigurator können Sie Wellen und andere Bauteile frei konfigurieren.
Wählen Sie die Art der Bauteile und stellen Sie die gewünschten Spezifikationen und Merkmale ein.
CAD Bibliothek
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Die heruntergeladenen Bauteile können Sie anschließend in Ihr CAD-Programm importieren.


















